Das „Great Eastern“ Projekt

 

Wenn man heute an gigantischen Schiffsbau und menschliche Überheblichkeit denkt, fallen einem eigentlich immer die Geschichte der Titanic und ihr unrühmliches Ende ein.

Aber lange vor dem Bau der Titanic gab es schon ein Schiff, dass für seine Zeit weit voraus und gigantisch war.

Es begann im Jahre 1854. Dort wurde von der Werft „Scott, Russel & Co. in Millwall – London der Kiel für das bis dahin grösste Schiff der Welt, die „Great Eastern“ gelegt.

Isambard Kingdom Brunel, auch der „Little Giant“ (kleiner Riese) genannt, entwarf und baute mit Hilfe von John Scott Russel dieses Monsterschiff, dass auch wirklich am 31.01.1858 nach mehreren vergeblichen Versuchen vom Stapel lief.

Brunels Schiff war ein Monster. Es war 210 m lang (zum Vergleich Titanic 269m), 25,3 m breit, ein Tiefgang von 9m und eine Gesamthöhe von 17,7 m.

Es hatte ein Gewicht von 22 500 Bruttoregistertonnen und war durchweg aus Eisen gebaut.

Ihr Antrieb bestand aus 2 riesigen 17 m im Durchmesser bestehenden Schaufelrädern, einer 7,3 m grossen Schiffsschraube und einer Segelfläche von 5900 qm.

Diese Kombination von Antrieben verlieh der „Great Eastern“ eine Geschwindigkeit von ca. 12,5 Knoten.

Sie konnte 10 000 Tonnen Kohle bunkern, hatte 400 Mann Besatzung und war für 3000 Passagiere zugelassen.

Als die absolute Neuerung galt auch eine durchgehende Gasbeleuchtung.

Die Baukosten betrugen 780 000 englische Pfund, was einem heutigen Gegenwert von 180 Millionen Deutscher Mark im Jahre 1993 entspricht.

Die „Great Eastern“ war ihrer Zeit weit voraus, was auch den Punkt Sicherheit betraf.

Sie verfügte über 16 wasserdichte Quer und Längsschotts (im Gegensatz dazu hatte die Titanic keine Längsschotts) und war noch über einen Doppelrumpf gesichert.

Die „Great Eastern“ war auch das einzigste Schiff, was jemals über fünf Schornsteine verfügte.

Getauft wurde dieses unglaubliche Meisterwerk der Schiffsbaukunst auf den Namen „Leviathan“ (Ungeheuer), später setzte sich aber doch „Great Eastern“ mehr durch.

Aber auch wie zu jedem Schiff gab es eine passende Gruselgeschichte dazu.

 

Es wurde gemunkelt, dass ein Nieter und sein Lehrjunge zwischen den Schiffswänden verschwunden waren.

Man sagte, dass durch den Lärm der Niethämmer diese beiden aus Versehen eingeschlossen wurden.

Tatsächlich wurden beide seit dem Stapellauf vermisst.

Leider war der „Great Eastern“ kein Glück beschienen. Ihr Erbauer Isambard Kingdom Brunel, der 1843 schon den ersten Schraubendampfer der Welt, die „Great Britain“ baute, starb durch Überanstrengung am 15.09.1859 in London an den Folgen eines Schlaganfalls.

Während Ihrer Jungferfahrt ereignete sich am 7. Dezember 1859 eine schwere Explosion an Bord.

Durch ein geplatztes Dampfrohr wurde ein Schornstein buchstäblich in die Luft geschleudert und der Kesselraum schwer beschädigt.

Fünfzehn Heizer wurden schwer verbrüht und vier von ihnen starben, dazu noch ein Heizer, der beim Versuch das Schiff zu verlassen, in das riesige Schaufelrad geraten war und einen grässlichen Tod fand.

Im Januar 1860 fand der Kapitän der „Great Eastern“ William Harrison bei einem Aussenbordmanöver den Tod.

Leider erwiess sich das Schiff auch nicht als rentabel, es fanden sich einfach nicht die erhofften Passagierzahlen und es war einfach viel zu gross.

Im Frühjahr 1864 wurde die „Great Eastern“ für 170 000 englische Pfund an die Great Ship Company, Liverpool verkauft.

Frühjahr 1864 für 95 000 englische Pfund an die Grat Eastern S.S. Co in Liverpool.

Von 1868 – 1875 diente das Schiff als erfolgreicher Kabelleger im Nordatlantik.

1875 – 1886 wurde sie in Milford-Haven aufgelegt.

Von 1875 – 1888 diente die „Great Eastern“ als schwimmendes Messe- und Ausstellungsschiff auf dem Mersey, in Greenock und Dublin.

Dabei wurde sie auch als Riesenreklammeträgerin missbraucht.

Ihr Ende fand die „Great Eastern“ in Birkenhead.

Dort wurde sie zu einem Auktionspreis von 16 000 englischen Pfund von 1889 – 1890 abgewrackt.

Damit fand der erste Riesendampfer der Welt sein unrühmliches Ende.

Bei den Abwrackarbeiten wurden auch zwei menschliche Skelette gefunden. Damit erwiess sich die Legende von dem eingeschlossenen Nieter und seinem Lehrjungen leider als grausige Tatsache.

Brunels Traum vom grössten Schiff der Welt war seiner Zeit zu weit voraus. Es war einfach noch nicht das Zeitalter für diese Schiffe gekommen.

Trotzdem blieb die „Great Eastern“ ein Beispiel von kühnen Träumen und menschlichen Fortschrittsglauben, doch manchmal sind solche Projekte einfach in die falsche Zeit geboren.

Erst 17 Jahre nach der Verschrottung der „Great Eastern“ lief ein grösseres Schiff, nämlich die „Lusitania“ der Cunard Line vom Stapel.

Zu Erwähnung sei hier noch gesagt, dass einer der berühmtesten Passagiere der „Great Eastern“, der französische Schriftsteller Jules Verne war.

Der selbige, der einen Flug zum Mond voraussah und in den Tiefen des Atlantiks „20 000 Meilen unter den Meeren“ mit einem Atom U-Boot kreuzte.

Genau wie der Erbauer der „Great Eastern“ Brunel, war Jules Verne ein Visionär und seiner Zeit weit voraus.

Diesen Köpfen verdanken wir, dass unsere Menschheit nicht stagniert, sondern durch Erfindertum und Visionen neue Ziele bekommt.

Auch aus Niederlagen können wir lernen.

 

Wer mehr zu der unglaublichen Geschichte der „Great Eastern“ erfahren möchte, sollte diesen Link benutzen.

 

www.great-eastern.codeworkers.de

 

Auf dieser Seite erwacht die „Great Eastern“ noch einmal zum virituelen Leben.

Mit viel Liebe zum Schiff entstanden dort tolle 3D – Animationen zu diesem Thema.

Auch die Links und Quellen sind nur zu empfehlen.

 

Copyright 2008 Artikel by Dirk Kernspecht

Copyright Bilder 1953, by James Dugan – The Great Iron Ship

Erschienen bei Harper & Brothers in New York.

Copyright Bilder 1993 by SMS, DBM Media KG

Copyright Bilder 2008 und mit freundlicher Genehmigung von Christian Schönberger:

http://debrisfield.russellwild.co.uk/greateastern/

 

Quelle: 1953, by James Dugan – The Great Iron Ship

Quelle: 1993, by SMS, DBM Media KG