Kultur

„Keine Panik auf der Titanic“ oder „Alles klar auf der Andrea Doria“.
Deutschlands Rocker Nr.1 Udo Lindenberg verband wie kein anderer die Titanic mit der Musik.
Viele andere deutschsprachigen Künstler folgten seinem Beispiel.
Nicht nur Musiker und Schriftsteller nahmen sich des Themas an.
Die Titanic tauchte auch bei Onkel Dagobert, den Simpsons, selbst in Porno Produktionen auf.
Noch immer geistert dieses Schiff durch unsere Köpfe und das nach fast 100 Jahren.
 

Text und Copyright 2006

Dirk Kernspecht


 

 
 

Theater Titanick - TITANIC

 

Bizarre Figuren, gewaltige, faszinierende Objekte, Live-Musik, Spezialeffekte, in atmosphärischen Bildern erzählt Theater Titanick von mythischen Themen, von Mensch, Natur und Technik. Die Stimmungen tragen die Handlung, die wilden Aktionen, die grotesken Charaktere, die poetischen Szenarien und den schrägen Humor. Es sind jahrhundertealte Traditionen europäischer Volkstheater, die Theater Titanick aufgreift und mit modernen Ausdrucksformen verbindet - um Bilderwelten entstehen zu lassen, die für alle Kulturen verständlich sind, die überall auf der Welt fesseln und verzaubern.

Theater Titanick wurde 1990 von Künstlern aus Münster und Leipzig gegründet. Wenig später erweiterte sich die Gruppe zu einem internationalen Ensemble und etablierte sich mit seinen Open Air Produktionen als eine feste Größe auf internationalen Festivals.
Die spektakuläre Inszenierung TITANIC war der erste große Erfolg. Dies wurde auf zahlreichen Festivals bestätigt - u.a. durch den 1. Preis beim Internationalen Belgrader Theaterfestivals BITEF '94 und durch den Publikumspreis beim Juste pour rire Festival in Montreal (Kanada) 2002.

Die Idee zur Produktion TITANIC entstand 1989 in Münster anlässlich des Festivals Stadtklang mit dem Schwerpunkt "Theater an besonderen Orten", welches das Kulturamt Münster im Sommer 1990 ausrichtete. Die Gründer des Theaters Titanick, Clair Howells, Uwe Köhler und Stony Assmann; entschieden sich, eine Aufführung am Aasee in Münster anzubieten - ohne jedoch eine konkrete Idee oder einen Stoff für ein Stück zu haben. Es folgte ein Ruderbootausflug auf den Aasee selbst, bei dem frei und ausführlich zur Gegend, zu Wasser, Wind und Wellen, zu Booten und Untergang und ähnlichem assoziiert wurde. Bei der Auswertung der gesammelten Gedanken zeichnete sich schon ab, dass ein Schiff im Mittelpunkt stehen würde, der Weg zum bestimmten Schiff - der Titanic - war nicht weit. Die Titanic bot sich an: eine dramatische Geschichte über den Bau, die Reise und den Untergang eines Schiffes, in der auch die Elemente Wasser und Feuer eine bedeutende Rolle spielen - und eine Geschichte, die allgemein bekannt ist. Ohne in Dialogen die Handlung erklären zu müssen, konnte man hier in atmosphärischen Bildern und unter Einbeziehung von Live-Musik einen Mythos darstellen.

Die erste Aufführung fand im August 1990 statt, danach wurde weiter an der Inszenierung gearbeitet bis 1993 schließlich eine endgültige Version feststand. In der Entwicklung der Bilder und Szenen stützte man sich nach ausführlicher Recherche vor allem auf Berichte der Überlebenden. Wenn sich die Produktion auch sehr gewandelt hat, vor allem im Bühnenbild, so sind doch sowohl die Grundstruktur als auch die Intention gleich geblieben. Theater Titanick erzählt in TITANIC einen Mythos des 20. Jahrhunderts, eine Geschichte von Fortschritts- und Technikglauben einerseits und dekadenter Gesellschaft andererseits. Mit dem Namen des Schiffes Titanic, dem Passagierschiff der Superlative, verbindet sich in unseren Köpfen die größte Verkehrskatastrophe des technischen Zeitalters. Nie zuvor hatte es einen so verschwenderisch ausgestatteten Luxusliner gegeben - und nie zuvor ein so sicheres Schiff. Als die Titanic am 14. April 1912 einen Eisberg rammte und im eisigen Nordatlantik versank, riss sie nicht nur 1500 Passagiere mit in die Tiefe. Mit ihr ging auch der blinde Glaube an die Technik unter. Noch heute ist die Titanic ein Symbol für die Grenzen des Fortschritts: Herausforderung für die einen, Menetekel für die anderen.

Der legendäre Untergang der Titanic wird von Theater Titanick mit grotesken Figuren zu eindrucksvollen Bildern und Stimmungen umgesetzt: Glanz und Untergang des Luxusliners mit Bankett auf dem Oberdeck, Feuer im Maschinenraum, hinkenden Märschen, trunkenem Personal und vergnügungssüchtigen Passagieren. Das apokalyptische Theaterinferno, getragen von exzentrischen Charakteren und grandioser Live-Musik in Verbindung mit überwältigenden Feuer- und Wassereffekten, begeistert seit Jahren die Zuschauer.

www.titanick.de

Text und Bilder © Theater Titanick

 

 

Copyright 1978 by Birth Control und "Originalbesetzung der Titanic-LP

Birth Control – Titanic

 

Kultur …….Birth Control! Die in Berlin 1968 gegründete Krautrock – Formation Birth Control machte sich in der damals noch jungen German Rockszene schnell einen Namen.

Ihr Hit „Gamma Ray“ ist bis heute ein absoluter Klassiker und Partykracher geblieben.

1978 erschien das Album „Titanic“ von ihnen. Der gleichnamige Titelsong beschäftigt sich sehr kritisch mit dem Schiff und dem Untergang.

„Fifteen Hundred Died That Night In Nineteen Twelve”

singt Bernd Nossi Noske in diesem Song.

Ganz klar wurden die Musiker durch diese Katastrophe inspiriert.

Das von dem Künstler Olof Feindt gestaltete Plattencover zeigt eine gigantische „Titanic“ in voller Fahrt.

Der orangerote Hintergrund unterstreicht noch die düstere Stimmung des Covers.

Weitere Infos zu Birth Control und Olof Feindt unter www.birth-control.de

 

LP Titanic: Brain 1978

CD Titanic: Green Tree Records 1996

Copyright Cover 1978 by Birth Control und Olof Feindt

Copyright Text 2007 by Dirk Kernspecht

 

 

Udo Lindenberg – No Panic on Titanic

 

Kultur…….Udo Lindenberg.

 

Auch der Urvater der deutschen Rockmusik wurde von der „Titanic“ inspiriert.

1975 erschien die englischsprachige LP „No Panic on Titanic“ von ihm.

Was Udo Lindenberg genau mit dem Schiff verband wird wohl sein Geheimnis bleiben.

Immerhin war sein erster Hit von 1973 „Alles klar auf der Andrea Doria“.

Wie jeder weiss das zweitberühmteste Unglücksschiff in der christlichen Seefahrt.

 

Das Plattencover ist orangerot gehalten. Udo Lindenberg in der Mitte trägt einen riesigen Hut.

Links sieht man die Katastrophe der „Hindenburg“, rechts sinkt gerade die „Titanic“.

Das Ganze wirkt apokalyptisch und gespenstig. Der orangerote Himmel unterstreicht noch die Stimmung. Ein wirklich sehr schönes und ungewöhnliches Cover.

 

Mehr Infos unter: www.udo-lindenberg.de

 

Copyright Plattencover „No Panic on Titanic“ 1975 by Udo Lindenberg.

Copyright Photo Udo Lindenberg by Tine Acke.

Copyright Text 2007 by Dirk Kernspecht 

 

 

Barbara Abendroth  (Künstlerin)

 

 

Kultur…….Barbara Abendroth.

 

Die bekannte Dortmunder Kunstschmiedin Barbara Abendroth hat für die „Titanic Ausstellung“ im Alten Dortmunder Hafenamt eine Metallskulptur geschaffen.

 

Mehr Infos unter: www.barbara-abendroth.de

 

Copyright Photo 2007 by Barbara Abendroth

Copyright Vita by Barbara Abendroth

Copyright Text 2007 by Dirk Kernspecht

 

 

 

© by Isolde Ohlbaum

Hans Magnus Enzensberger   „Der Untergang der Titanic“

 

 

Der Untergang der Titanic ist aktenkundig.

Er ist etwas für Dichter.

Er läuft im Fernsehen gleich nach der Sportschau.

Er ist unbezahlbar.

Er ist besser als gar nichts.

Er hat Montag Ruhetag.

Er ist umweltfreundlich.

Er eröffnet den Weg in eine bessere Zukunft.

Er ist Kunst.

Er schafft Arbeitsplätze.

Er geht uns allmählich auf die Nerven.

 

So schrieb Hans Magnus Enzensberger im 16. Gesang, hier ein Auszug, seines 1978 erschienenen Werkes

 

 „Der Untergang der Titanic – Eine Komödie“.

 

Auf den ersten Blick scheint dieses Werk gar nicht so in die gängige Titanic Literatur zu passen.

Der zweite Eindruck öffnet eine vollkommen andere Ansicht dieser Katastrophe.

Enzensberger hält unserer Gesellschaft einen Spiegel vor und zeigt, wie sehr dieses Unglück bis in die heutige Zeit unser Leben beeinflusst hat.

Eine Metapher für unsere kapitalistische Klassengesellschaft oder ungebremster Fortschrittswahn?

Jeder findet sich in diesem einmaligen Werk wieder.

Man kann viele Dinge oder Ansichten in den „Untergang der Titanic“ hinein interpretieren.

Enzensberger trifft klar den Punkt dieser menschlichen Tragödie und bleibt dabei nicht überzogen.

Ein Werk, bis in die heutige Zeit und auch in Zukunft immer aktuell.

1980 wird die Bühnenversion des Buches in München uraufgeführt.

 

© by Spiegel 1980

Informationen zu H.M. Enzensberger und seinen Werken unter: http://www.suhrkamp.de/autoren/autor.cfm?id=1134

 

Quelle: Auszug aus dem 16. Gesang „Untergang der       Titanic“ erschienen 1978 im Suhrkamp Verlag FFM.

ISBN – 3-518-02762-x

 

Copyright Buchcover 1978 by Suhrkamp Verlag FFM

 

Copyright Text 2008 by Dirk Kernspecht

 

Copyright Bild Bühnenstück 1980 by „Der Spiegel“

Nr. 29, 34. Jahrgang vom 14. Juli 1980, Seite 139.